Was ist Fracking?

Hydraulic Fracturing (engl. to fracture "aufbrechen", "aufreißen"; auch "Fracking", "Hydrofracking", "Fraccing", "Frac'ing" oder "Frac Jobs" genannt) ist eine Methode der geologischen Tiefbohrtechnik, bei der durch Einpressen einer Flüssigkeit ("Fracfluid", dt. Plural "Fracfluide") in eine durch Bohrung erreichte Erdkrustenschicht dort Risse erzeugt und stabilisiert werden. Ziel ist es, die Gas- und Flüssigkeitsdurchlässigkeit in der Gesteinschicht so zu erhöhen, dass ein wirtschaftlicher Abbau von Bodenschätzen (z. B. Erdgas und Erdöl) ermöglicht wird. Hydraulic Fracturing wird auch zur Vorbereitung der Nutzung von Geothermie angewendet.

Vom Verwalter zum Aktivisten07.10.2014

Vom Verwalter zum Aktivisten

Andy Gheorghiu gab seine Stelle im Rathaus auf, um sich ganz dem Kampf gegen Fracking zu widmen

VON ANDREAS HERMANN

KORBACH. Was er wagte, wagen nicht viele: Nach 20 Jahren hat Andy Gheorghiu seinen Posten im Korbacher Rataus aufgegeben, um sich auf ein auch persönlich riskantes Terrain zu begeben. Er kündigte seine sichere Stelle im öffentlichen Dienst, um sich ganz dem Engagement gegen die umstrittene Erdgas-Fördermethode Fracking zu widmen.

"Ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich mich entscheiden musste", sagt der 39-Jährige rückblickend. Der Aufwand, den er als Aktivist und Mitglied von Anti-Fracking-Initiativen betrieb, war neben dem Beruf - er war im Bauamt zuständig für die Vergabeverfahren - nicht mehr zu leisten. Gheorghiu entschied sich - für den Kampf gegen Fracking. Gegen seinen Angestellten-Job. Zum 1. April schied der Korbacher aus dem Rathaus aus. Seither lebt er von Arbeitslosengeld und Ersparnissen.

 

Zur Person

Andy Gheorghiu ist 39 Jahre alt und stammt aus dem rumänischen Constanza am Schwarzen Meer. Im Alter von elf Jahren zog er mit seiner Mutter nach Korbach. In der Kreisstadt lebten bereits Angehörige und Bekannte der Familie. Andy kam in die 6. Hauptschulklasse der Westwallschule, schaffte die Realschule an der Louis-Peter-Schule (LPS) und machte danach seinen Abschluss an der Fachoberschule. 1994 begann Andy Gheorghiu bei der Stadt Korbach eine Verwaltungsausbildung. Rund 20 Jahre war er bei der Kreisstadt beschäftigt. Zum 1. April 2014 kündigte er, um sich dem Engagement gegen Fracking zu widmen. Er ist Mitglied der Initiativen für ein lebenswertes Korbach und Fracking Freies Hessen. Andy Gheorghiu hat eine sechsjährige Tochter. Mit Hündin Alba geht er gern und oft in Korbach und Umgebung spazieren. (aha)

 

Dabei hat Andy Gheorghiu Arbeit genug. Tatsächlich ist er ein gefragter Mann, wird bundesweit als Fracking-Experte zu Diskussionsrunden und Vorträgen eingeladen. Mehrfach war er bereits im Fernsehen und gab überregionalen Zeitungen Interviews. Für sein Anti-Fracking-Engagement nominierte in die "taz" für den Panter-Preis. Die bisher größte Ehre: Als Mitinitiator verlas Gheorghiu die Korbacher Resolution (siehe Stichwort) im Namen der Bürgerinitiativen im Europäischen Parlament. "Mein Aha-Erlebnis war: Wenn man anfängt zu schieben, trifft man auf keine harte Wand, sondern auf eine weiche Masse."

ANDY GHEORGHIU

"Was ich gemacht habe, das hätten eigentlich Behördenvertreter leisten müssen", betont er. Sein Engagement gegen Fracking habe im Juni 2012 begonnen. Da habe er recherchiert, sich in die Grundlagen eingearbeitet und über das Bergrecht schlaugemacht.

In Zusammenhang mit Veröffentlichungen in der regionalen Naturschutz-Zeitschrift "Naturverbunden" seien die ersten Anti-Fracking-Initiativen gegründet worden. Für sein Engagement sei es von Vorteil gewesen, dass er eine Verwaltungsausbildung habe und die Behördenarbeit kenne, etwa für den Schriftverkehr mit Ministerien und anderen Ämtern. Erst als Privatmann und dann für die BI habe er Stellungnahmen geschrieben, habe plausible Argumente liefern wollen. Im Sommer 2013 habe er gemerkt, dass er was bewirken könne. Die Erfolge hätten neue und zusätzliche Motiva tion gegeben. Diese und die Unzufriedenheit im Job habe schließlich den Ausschlag für die Entscheidung gegeben.

Arbeiten im Roten Turm

Nun sucht der Fracking-Experte nach einer Anstellung, bei der er seine Kenntnisse einbringen kann. Im Roten Turm der Stadtmauer, dem mittelalterlichen Gefängnis der Hansestadt, wohnt er mit seiner Hündin Alba. Von hier aus macht er Rechtsberatung und Öffentlichkeitsarbeit für Bürgerinitiativen, schreibt Stellungnahmen und verfasst Muster-Formulare. Gerade ist er dabei, seine erste bezahlte Auftragsarbeit per Werkvertrag abzuschließen. Es handelt sich um eine Kurzstudie zur Schiefergas-Gewinnung außerhalb der Europäischen Union. Sein Auftraggeber ist "Friends of the Earth", sozusagen der BUND auf EU-Ebene mit Sitz in Brüssel. Seine Ziele lauten Nachhaltigkeit und Naturschutz. Und diese hätten auch für den Tourismus in unserer Region besondere Bedeutung. Gheorghiu: "Ich will, dass unsere Wälder und unsere Landschaft so bleiben, wie sie sind."

 

STICHWORT

Korbacher Resolution

Die am 4. und 5. Mai 2013 in der Hanse- und Kreisstadt verabschiedete "Korbacher Resolution" eint inzwischen die EU-weite Anti-Fracking- Bewegung. Mit den Erstzeichnern, allen voran der Initiative für ein lebenswertes Korbach, wird die Resolution mittlerweile von mehr als 250 Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs), Bürgerinitiativen, politischen Organisationen und Kommunen unterstützt. (aha)

 

 


"Unkenntnis wird für Ängste benutzt"

Zum Thema Fracking und zu unserem Bericht über Anti-Fracking-Aktivist Andy Gheorghiu

Um Wilhelm Busch zu zitieren: "Wenn einer, der mit Mühe kaum geklettert ist auf einen Baum, schon meint, dass er ein Vogel wär, so irrt sich der." Ich habe als interessierter Diplom-Geologe eine der Veranstaltungen über Fracking im Korbacher Bürgerhaus besucht und diese entnervt vorzeitig verlassen. Was einem da geboten wurde, verdient nicht den Anspruch aufzuklären, sondern war einseitig und zum Teil nachgewiesenermaßen falsch.

So das immer wieder gerne - auch im Fernsehen- gezeigte Erdgas aus dem Wasserhahn. Das ist ein Fake; nebenbei kann uns das auch passieren, wenn jemand die Gas- an die Wasserleitung anschließt. Unwahrscheinlich bis ausgeschlossen? Eben. Kein Wort, wie das geschehen kann, einfach nur die einfache Erklärung: Fracking. Schön einfach.

Wer solcherart "info-Abende" betreibt, muss sich dann auch fragen lassen, woher er sein Wissen über Erdgas/Schiefergas und seine Gewinnung auch durch Fracking und nicht zuletzt über die nicht ganz unwesentliche Geologie bezieht, außer im internet? In meinem Bekanntenkreis und dazu zählen auch dunkelgrüne Frackinggegner habe ich die irrwitzigsten Vorstellungen über Lagerstättentiefen, Deckgebirge, Grundwasservorkommen und Förderung von jeglichen Gas- und Ölvorkommen unterbreitet bekommen. Ebenso enden die Diskussionen an den info-Ständen der Frackinggegner nicht selten im Unwissen der "Informanten".

Also mit dem Wissen bzw. seiner Verbreitung ist es nicht weit her wie es Herr Gheorghiu vorgibt zu betreiben. Es ist leider so, dass die Unkenntnis über geophysikalische/chemische Zusammenhänge verbreitet ist und das als Nährboden für Ängste benutzt wird.

Durchaus zähle ich mich nicht zu den Frackinggegnern, sondern meine, die unter unseren Füßen schlummernde Energie sollte geborgen werden. Dabei sind alle Maßnahmen zum Schutz von Umwelt und Gefahren mittels der in Vielzahl vorhandenen Gesetze und Vorgaben einzuhalten.

Ebenso wie eine sorgfältige Vorplanung durch Geologen und andere Fachleute bis hin zur ständigen Überwachung und Erschließung, dann wird ebenso wenig passieren, wie bei den bisher über 300 gefrackten Bohrungen in den Vorkommen der Nordsee.

Keine Technik und kein Fortschritt sind gänzlich ohne Risiko. Jedoch den Versuch der Erkundung von Ressourcen schon als Angriff auf unsere Lebensgrundlagen hinzustellen (Stichwort Grundwasserverunreinigung) ist ein Schlag gegen alle, die ihren Beruf als Geowissenschaftler und in der Energiegewinnung Tätige verantwortungsvoll und ohne bemerkenswerte Schäden für Mensch und Umwelt ausüben.

Herr Gheorghiu sollte erkennen, seine persönlichen Überzeugungen zum Fracking decken sich durchaus nicht mit der Aussage der Bundesagentur für Rohstoffe, die die Umweltrisiken als gering einstuft und gutbeherrschbar bei gründlicher Planung! Leider hörte man davon in der Presse nichts.

Dr. Hans Seeliger,
Korbach

Original-Artikel im PDF-Format

 

"Gute Argumente gegen Fracking"

Zu der umstrittenen Erdgas-Fördermethode

Dr. Seeliger stellt sich zu Beginn seines Leserbriefs als Diplom-Geologe vor. Dann ist es allerdings erstaunlich, wenn er als Fachmann nicht einmal weiß, dass es die von ihm zitierte "Bundesagentur für Rohstoffe" überhaupt nicht gibt. Vermutlich meint er die beim Bundeswirtschaftsministerium angesiedelte Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Und wenn Dr. Seeliger dann noch von "über 300 gefrackten Bohrungen in den Vorkommen der Nordsee" schreibt, dokumentiert er eindrucksvoll seine Unkenntnis
über wichtige Fakten.

Wer sich derartige Schnitzer zu Sachverhalten seines Fachgebiets leistet, sollte sich in der Qualifizierung anderer Personen etwas zügeln. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, Dr. Seeliger hätte bei der von ihm in Korbach besuchten Veranstaltung aufmerksam zugehört, statt diese
"entnervt vorzeitig zu verlassen". Für das Erfassen und Verstehen eines Themas ist es meist unverzichtbar, andere Sichtweisen kennenzulernen, statt sich nur auf das eigene - vermeintlich überragende - Fachwissen zu beschränken.

Man muss nicht unbedingt Geologie oder ein anderes Fach studiert zu haben, um sich eine differenzierte Meinung über Risiken oder Chancen des Frackings zu bilden. Das Thema ist jedenfalls sowohl in rechtlicher als auch in technischer Hinsicht derart komplex, dass Kenntnisse der Geologie alleine nicht ausreichen, um alle Aspekte zu erfassen und zu bewerten.

Insofern ist es gut, dass Menschen wie Herr Gheorghiu fundiert über die vielfältigen technischen und rechtlichen Hintergründe informieren und sich dafür einsetzen, den Versprechungen der Industrie nicht blindlings zu vertrauen und die Aktivitäten der zuständigen Behörden kritisch zu begleiten.

Es gibt sehr gute - aus meiner Sicht überzeugende - Argumente, die gegen die Zulassung von Fracking zur Gewinnung von Erdöl und Erdgas sprechen. Schade, dass Herr Dr. Seeliger offensichtlich ein zu schwaches Nervenkostüm besitzt, sich diese Argumente einfach nur mal anzuhören.

Rainer Zawislo, Kassel
Diplom-Bergingenieur

 Original-Artikel im PDF-Format

 


 

Andy Gheorghiu
Ascher 14
34497 Korbach
E-mail:
andy.gheorghiu@ resolution-korbach.org
Tel.: +49 (0) 56 31 / 50 69 507
Mobil: +49 (0) 160 / 20 30 974

Per E-mail: info@bodenschmecker.de
Dr. Hans Seeliger
Diplom-Geologe
Heinestrasse 20
34497 Korbach

Korbach, 07.10.2014

Fracking, Klimaschutz und Ziele der Energiepolitik
Hier: Ihr Leserbrief "Unkenntnis wird für Ängste benutzt" in der HNA vom 03. Oktober 2014
Offener Brief

Geehrter Herr Dr. Hans Seeliger,

in Ihrem in der HNA am 03. Oktober 2014 veröffentlichten Leserbrief (siehe oben) unterstellen
Sie mir, dass ich aus Unkenntnis heraus Unwissen über die Auswirkungen der Fracking-Technik und
damit bewusst Ängste in der Bevölkerung verbreite.
Mit diesem offenen Brief möchte ich auf Ihre Vorwürfe eingehen und die Motivation meines
Engagements erläutern.

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die bisherigen Erkenntnisse deutlich aufzeigen, dass die
Aufsuchung und Gewinnung von sogenannten unkonventionellen Lagerstätten zu komplexen und
übergreifenden Wechselwirkungen mit der Umgebung führen können.

Besonderen Grund zur Sorge geben die toxischen Bestandteile der Fracking-Flüssigkeit, die
ungelöste Problematik hinsichtlich der Entsorgung des Fracking-Flowbacks (einschließlich des
radioaktiven und schwermetallhaltigen Lagerstättenwassers), induzierte Erdbeben, Probleme der
Bohrlochintegrität, Methanleckagen, Luftverschmutzung durch Flaring sowie die unumgängliche
Industrialisierung der betroffenen Landstriche einschließlich der benötigten Transportwege.
Je nach Örtlichkeit erhöhen ungünstige geologisch-hydrogeologische Verhältnisse das
Risikopotential.

Die auf Info-Veranstaltungen von mir dargestellten Tatsachen sind übrigens allesamt durch seriöse
Quellen untermauert. Interessant finde ich - neben den wenig belastbaren Vorwürfen - den
Zeitpunkt Ihres Angriffs. Wie Sie ja wissen müssten, debattieren Bürger wie politisch
Verantwortliche und Fachexperten seit mehr als 2 Jahren das Thema Fracking und
Schiefergasförderung in Nordhessen.

Akteure wie z.B. die Regionalversammlung Nordhessen, der Landkreis Werra-Meißner, der
Landkreis Kassel, der Landkreis Waldeck-Frankenberg, der Geopark Grenzwelten, die Kreisstadt
Korbach, die Stadt Waldeck, die Gemeinde Diemelsee, die Stadt Bad Wildungen und viele andere
auch haben sich auf Grund belastbarer wissenschaftlicher und rechtlicher Argumente allesamt klar
und deutlich gegen die Fracking-Technik und die Einführung der Schiefergasförderung in
Nordhessen ausgesprochen.
Wie Sie ebenfalls wissen müssten, umfasst das komplexe Thema "Fracking" nicht nur die Bereiche
der Geologie und Hydrogeologie. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang auch
Aspekte des Klimaschutzes, der Ziele der Energiepolitik, des Umweltschutzes und der Ökonomie,
genauso wie Aspekte der Soziologie und des Ablaufs demokratischer Prozesse.
An dieser Stelle kann ich Ihnen nur anbieten eine Vielzahl an wissenschaftlichen Studien
zuzustellen, die sich mit den unterschiedlichen Auswirkungen und Risiken der Aufsuchung und
Gewinnung sogenannter unkonventioneller fossiler Brennstoffe auseinandersetzen. Mir genügen
deren Erkenntnisse, um meine Entscheidung contra Fracking zu begründen und zu rechtfertigen.
Ich darf übrigens hinzufügen, dass "Fracking" nur die Spitze eines Berges voller Unzulänglichkeiten
der Ausbeutung fossiler Brennstoffe ist - egal ob es sich nun um konventionelle oder sogenannte
unkonventionelle Lagerstätten handelt.

Das rechtliche Hauptargument in der Debatte in Nordhessen war, dass die anderweitigen
öffentlichen Interessen gegenüber den bergbaulichen Belangen überwiegen. Den einzigen Vortrag,
den ich zum Thema Fracking im Bürgerhaus Korbach gegeben habe, handelte von den
vorhandenen rechtlichen Möglichkeiten, den Antrag zur Aufsuchung nach Schiefergas im Feld
Adler-South auf der Grundlage des Bundesberggesetzes - flankiert von den Vorgaben der
Raumordnung und Landesplanung und den Zielen des Regionalplanes in Nordhessen - abzulehnen.
Ich vertrat und vertrete die Auffassung, dass die öffentlichen Interessen, zu denen die
Erfordernisse der Raumordnung, des Natur- und Landschaftsschutzes, des Verkehrs und des
Gewässerschutzes gehören, im gesamten Aufsuchungsfeld überwiegen.
Die Aufnahme der Schiefergasförderung wäre - abgesehen von den Gefahren für das Grundwasser
- völlig konträr zu den Zielen der Energiepolitik und den Vorgaben des Regionalplanes Nordhessen
gewesen. Hierzu gehören übrigens die
- Abkehr von fossilen Brennstoffen;
- Energieeinsparung;
- Steigerung der Energieeffizienz;
- regionsspezifische Nutzung erneuerbarer Energieträger.
Nach den Vorgaben des § 11 Nr. 10 Bundesberggesetz war die Aufsuchungserlaubnis
konsequenterweise zu versagen. Diese Rechtsauffassung wurde dann auch letztendlich durch das
Rechtsgutachten von Frau Prof. Dr. Monika Böhm 1 bestätigt.
Abschließend möchte ich gern noch auf 2 Angaben Ihres Leserbriefes eingehen.
Sie erwähnen über 300 gefrackte Bohrungen in der Nordsee im Rahmen derer noch nie was
passiert sei. Ich vermute, dass Sie sich auf die Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und
Rohstoffe "Abschätzung des Erdgaspotenzials aus dichten Tonsteinen (Schiefergas) in
Deutschland 2 " hierbei beziehen.

Zunächst einmal ist festzustellen, dass die ca. 300 Fracking-Maßnahmen onshore und nicht
offshore erfolgten. Und das sehr selbstbewusst vorgetragene Statement, dass noch nie etwas
während dieser Maßnahmen passiert sei, kann überhaupt nicht seriös aufrecht erhalten werden.
Hierzu verweise ich auf die Studie des Umweltbundesamtes 3 und die NRW-Studie 4 (beide aus
2012). In beiden Studien wird explizit darauf hingewiesen, dass die Industrie bis heute keine
vollständigen Daten geliefert hat und es kein Monitoring zur dauerhaften Dichtheit von
Bohrlöchern gab. Die Wissenschaftler mussten mit einer Datengrundlage von lediglich ca. 25 % der
ca. 300 bisher in Deutschland durchgeführten Frack-Maßnahmen arbeiten. Die NRW-Studie stellt
sogar fest, dass auch Stoffe eingesetzt wurden, bei denen eine verlässliche Bewertung ihres
Verhaltens und ihrer Wirkungen in der Umwelt nicht oder nur eingeschränkt möglich war.
Darüber hinaus wartet die konventionelle Erdöl- und Erdgasförderung mit einer imposanten Liste
von Schadensfällen alleine in den letzten 12 Jahren auf 5 . Kontaminationen von Ackerflächen und
Fließgewässern 6 sowie die Induzierung von Erdbeben 7 sind keine Seltenheit.

Und was die "technische Beherrschbarkeit" in der Nordsee betrifft, darf ich an das im Jahre 1990
verursachte Gasleck erinnern. Bei der Niederbringung einer Bohrung der Firma Mobil Oil (heute
Exxon Mobil) im britischen Sektor der Nordsee kam es zu einer unkontrollierten Freisetzung von
Erdgas. Aus diesem Bohrloch strömt seit über 20 Jahren ungehindert Methan 8 . Das Unternehmen
selbst fühlt sich nicht verantwortlich, diesen Zustand zu ändern. Die Bergbaukonzession wurde
großzügig im Jahre 1995 an Großbritannien zurückgegeben.

Soviel zu dem Verantwortungsgefühl der in der fossilen Energiegewinnung tätigen Konzerne.
Da Feldstudien und ein ordentliches Monitoring in Deutschland bislang schlicht und ergreifend
nicht existieren, ist es - auch im Hinblick auf Art. 20 a GG und Art. 191 AEUV - geboten, auf die
Erfahrungen in den USA und anderswo zu verweisen.

Am 29. Mai 2014 veröffentlichten die "Concerned Health Professionals of New York State", einen
offenen Brief von über 250 U.S. Ärzten und Gesundheitsorganisationen an Andrew Cuomo, den
Gouverneur von New York 9 . Darin wird auf die durch Fracking verursachten vielfältigen negativen
Auswirkungen auf die Umwelt (wie z.B. Trinkwasserkontamination) und die menschliche
Gesundheit hingewiesen.

Und was die angebliche Notwendigkeit der Förderung von Schiefergas anbelangt, erlaube ich mir
folgenden abschließenden Hinweis:
Weltweit werden jährlich ca. 150 Milliarden m3 Erdgas abgefackelt! Das entspricht einer Studie von
GE (General Electric) 10 zufolge 5 Prozent der weltweiten Erdgas-Produktion oder 30 Prozent des
Verbrauchs in der Europäischen Union. Solange diese Energiemengen nutzlos, umwelt- und
klimaschädlich vernichtet werden, ist es unverständlich, dass man den Einstieg in den
flächendeckenden Einsatz der Fracking-Technik überhaupt in Erwägung zieht.
Ich hoffe sehr, Ihnen mit meinen Ausführungen die Beweggründe für mein Engagement näher
gebracht zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen
Andy Gheorghiu

Original-Dokument im PDF-Format

 

Was ist Fracking?

Hydraulic Fracturing (engl. to fracture "aufbrechen", "aufreißen"; auch "Fracking", "Hydrofracking", "Fraccing", "Frac'ing" oder "Frac Jobs" genannt) ist eine Methode der geologischen Tiefbohrtechnik, bei der durch Einpressen einer Flüssigkeit ("Fracfluid", dt. Plural "Fracfluide") in eine durch Bohrung erreichte Erdkrustenschicht dort Risse erzeugt und stabilisiert werden. Ziel ist es, die Gas- und Flüssigkeitsdurchlässigkeit in der Gesteinschicht so zu erhöhen, dass ein wirtschaftlicher Abbau von Bodenschätzen (z. B. Erdgas und Erdöl) ermöglicht wird. Hydraulic Fracturing wird auch zur Vorbereitung der Nutzung von Geothermie angewendet.