Was ist Fracking?

Hydraulic Fracturing (engl. to fracture "aufbrechen", "aufreißen"; auch "Fracking", "Hydrofracking", "Fraccing", "Frac'ing" oder "Frac Jobs" genannt) ist eine Methode der geologischen Tiefbohrtechnik, bei der durch Einpressen einer Flüssigkeit ("Fracfluid", dt. Plural "Fracfluide") in eine durch Bohrung erreichte Erdkrustenschicht dort Risse erzeugt und stabilisiert werden. Ziel ist es, die Gas- und Flüssigkeitsdurchlässigkeit in der Gesteinschicht so zu erhöhen, dass ein wirtschaftlicher Abbau von Bodenschätzen (z. B. Erdgas und Erdöl) ermöglicht wird. Hydraulic Fracturing wird auch zur Vorbereitung der Nutzung von Geothermie angewendet.

Gegen Fracks und Lecks in Korbach05.08.2014

THE WALL STREET JOURNAL

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DEUTSCHLAND
Aktualisiert Dienstag, 5. August 2014, 10:24 Uhr

Gegen Fracks und Lecks in Korbach

Von HANS BENTZIEN

Fracking ist das neue Hassobjekt der deutschen Umweltschützer. Die ökologisch motivierte Kritik an dieser Fördertechnik zielt aber nicht auf das Fracking allein. In der Kritik steht vielmehr der gesamte Prozess der Speichererschließung - angefangen von der geophysikalischen Erkundung des Untergrunds über den Bohrprozess und das Fracking bis zur Entsorgung des Frack- und/oder Lagerstättenwassers.

Beim Fracking wird unterirdisches Speichergestein unter Einsatz von hohem Druck, Wasser, Chemikalien und Stützmaterialien aufgebrochen und offengehalten. Gegen die Technologie wird meistens vorgebracht, dass sie ein Risiko für das Grundwasser mit sich bringe. Die Kritiker sorgen sich, dass giftige Frack-Flüssigkeit über Risse in höher liegende Grundwasserleiter vordringen.

So etwas ist in den USA tatsächlich passiert. Allerdings hatten die Speichergesteine dort direkten Kontakt mit dem Grundwasserspeicher. In Deutschland liegen meiste mehr als 1.000 Meter festes Gestein und dichte Schichten wie Salz und Ton dazwischen.

Den Fracking-Gegner geht es aber nicht um Ökologie allein. Ihr Widerstand ist vielmehr philosophisch-ideologisch verbrämt. Philosophisch insofern, als 4.000 Meter unter Tage liegende Gesteinsschichten von ihnen als unbelebte Natur interpretiert werden, die schützenswert ist. Und ideologisch, weil ihnen die Erschließung fossiler Energieträger wegen des Ausbaus Erneuerbarer Energien als unnötig gilt.

"Ich sehe nicht ein, dass hier ein Unternehmen mit Gasförderung Profit machen will, während die Allgemeinheit auf möglichen  Umweltschäden sitzen bleibt", sagte Andy Gheorghiu, der Sprecher der Bürgerinitiative "Lebenswertes Korbach". Das Risiko von Umweltschäden hält der 40-Jährige für nicht vernachlässigbar.

Deutsches Bergrecht verbietet Fracking-Technik

Sein Argument ist einfach: "Die Industrie behauptet immer, dass sie seit Jahrzehnten unfallfrei frackt, aber sie ist nicht transparent. Ich möchte gerne die Daten sehen, die das belegen", sagt er - wohl wissend, dass diese Daten gar nicht existieren, weil sie bisher niemand gefordert hat. Das allerdings nun anders werden - die Vorschriften für Fracking werden demnächst verschärft. Nach deutschem Bergrecht darf diese Technik bald gar nicht mehr angewendet werden.

Hans Bentzien für The Wall Street Journal

Harald Rücker und Andy Gheorghiu kämpfen gegen Fracking in Hessen und anderswo

Andy Gheorghiu verweist in der Diskussion auf eine Studie aus der Industrie, die belegt dass nahezu alle Bohrlöcher irgendwann undicht werden. Diese Studie der Firma Archer bezieht sich allerdings nicht auf Undichtheiten zwischen gefracktem Gebirge und Bohrlochverrohrung, durch die Gas unkontrolliert ausströmen könnte.

Vielmehr handelt es sich um Leckagen zwischen Verrohrungen innerhalb eines nach außen hin dichten Lochs. Diese werden von nicht gasdichten Gewinden verursacht, die zumindest in Deutschland in neuen Anlagen nicht mehr eingebaut werden. Hier werden  Förderrohrtouren deshalb inzwischen gar nicht mehr verschraubt, sondern nur noch verschweißt. Dass das nichts mit Fracking an sich zu tun hat, weiß Gheorghiu schon - das Beispiel dient ihm nur als Beleg für seine These, dass man den Aussagen von Bohrunternehmen über die Sicherheit irgendwelcher Technologien nicht allzu sehr trauen sollte.

Immer mehr Windräder und Solarparks werden in Deutschland errichtet. Das Ziel die Stromversorgung bis 2050 zu 80 Prozent auf  erneuerbare Energien umzustellen erfreut sich hoher Zustimmung. Aber der Weg dahin ist mit Bürgerprotesten gepflastert.

 

Bestätigt fühlen sich Kritiker der Öl- und Gasförderung in Deutschland generell von Vorfällen wie der Leckage an einem unterirdischen Ölspeicher im Münsterland oder an einer Leitung im Kreis Rotenburg, über die Lagerstättenwasser zu einer Versenkbohrung transportiert wird. Nicht zuletzt kommt es dort wegen des Verpressens von Lagerstättenwasser immer wieder zu kleinen Erdbeben.

Für Gheorghiu ist das die Debatte um Fracking eine sehr weitreichende. "Es geht auch immer um die Frage der Industrialisierung einer Region. Nordhessen hat eine ganz andere Vorstellung von seiner zukünftigen Entwicklung", sagt er. Sein Widerstand und der seiner Mitstreiter gilt Pläne des kanadischen Unternehmens BNK Petroleum, das in der Region in karbonischem Schiefer nach Erdgas suchen will. Für die Bürgerinitiative ist das ein Schreckensszenario. Sie zeichnen ein Bild mit multiplen Bohrplätzen, den entsprechenden Verschmutzungsrisiken und regelmäßigem Lkw-Verkehr.

Kampf gegen transatlantisches Freihandelsabkommen

Die Behörden des Landes Hessen haben BNK die beantragte Aufsuchungserlaubnis zwar schon vor einiger Zeit verwehrt. Aber nun klagt das Unternehmen plötzlich wegen entgangener Gewinne. Gheorghiu befürchtet, dass Firmen wie BNK durch Investitionsschutzklauseln im geplanten transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP zusätzlich ermutigt werden.

Deshalb kämpfen er und seine Mitstreiter nun auch gegen TTIP. Bei einer Versammlung im Vereinszimmer des Hotels Goldflair in Korbach erinnert Gheorghi seine Leute daran und sagt: "Ihr könnt die Vorlage auch einfach kopieren und eure Namen einsetzen." Gemeint ist eine Kampagne über die Online-Petitionsplattform Campact, bei der inzwischen über 600.000 Menschen gegen TTIP unterschrieben haben - und über 800.000 gegen Fracking.

Das nordhessische Korbach ist so etwas wie das Zentrum der Fracking-Gegner. Im vergangenen Jahr hat hier ein Treffen aller deutschen Anti-Fracking-Initiativen stattgefunden. Die dabei entworfene Korbacher Resolution bildet inzwischen die europaweite Agenda der Bewegung. Andy Gheorghiu hat seinen Job bei der Korbacher Stadtverwaltung an den Nagel gehängt und hofft, den Widerstand bald hauptberuflich von Brüssel aus betreiben zu können.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@wsj.com

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Was ist Fracking?

Hydraulic Fracturing (engl. to fracture "aufbrechen", "aufreißen"; auch "Fracking", "Hydrofracking", "Fraccing", "Frac'ing" oder "Frac Jobs" genannt) ist eine Methode der geologischen Tiefbohrtechnik, bei der durch Einpressen einer Flüssigkeit ("Fracfluid", dt. Plural "Fracfluide") in eine durch Bohrung erreichte Erdkrustenschicht dort Risse erzeugt und stabilisiert werden. Ziel ist es, die Gas- und Flüssigkeitsdurchlässigkeit in der Gesteinschicht so zu erhöhen, dass ein wirtschaftlicher Abbau von Bodenschätzen (z. B. Erdgas und Erdöl) ermöglicht wird. Hydraulic Fracturing wird auch zur Vorbereitung der Nutzung von Geothermie angewendet.